Geschichtsvergessen, verzweifelt – oder einfach nur unwählbar?

Willy Brandt während seines Kniefalls vor dem Denkmal für die Opfer des Warschauer Ghettos in Warschau

Willy Brandts Kniefall in Warschau – der Grundstein erfolgreicher deutscher Ostpolitik

Ich bin kein Sozialdemokrat, aber jetzt langt’s. »In all den Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen die Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite«, sagte Armin Laschet, der cdU-Kanzlerkandidat, beim csU-Parteitag in seiner Rede.

Ich will keine lauen Entschuldigungen hören. Bleibt mir weg mit Wahlkampf. Bleibt mir weg mit Wasser bis zum Hals. Bleibt mir weg mit Verzweiflung angesichts des hausgemachten historischen Umfragetiefs.

Natürlich gibt es historische Fehlentscheidungen der SPD, etwa die Agenda 2010 – am schwersten wiegt aber der Fehler GroKo; als Wiederholungstat ist er tatsächlich schwer verzeihlich.

Das sagt der Mann, der widerrechtlich aufgrund eines Taschenspielertricks den Hambacher Forst räumen ließ, weil er eingestandenermaßen einen Vorwand braucht. Schließlich stand er bei der Kohlelobby im Wort. Doch es ist noch übler: Solche Worte aus dem Mund eines hochrangigen Politikers der Unionschristen zeigen, dass dort immer noch der Geist Strauß‘ und Filbingers herrscht, die den späteren Friedensnobelpreisträger Willy Brandt diffamierten, weil er Antifaschist war (!) und im Krieg auf Deutsche geschossen hatte (!!). Das, gepaart mit der Trump-Methode, einfach mal verbal irgendwelche völlig aus der dünner werdenden Luft gegriffene Behauptungen wie das obige Zitat in die Welt zu furzen, ist die politisch-gedanklich-argumentative Spannweite Armin Laschets.

Mehr wird nicht zu erwarten sein.

Wer den Mann wählt, tut es auf eigene Gefahr.

Rettet das Parkhaus in N2!

Hier ein Text aus dem heutigen Mannheimer Morgen [Gendering natürlich von mir]. Ich unterstütze ausdrücklich das Anliegen der Bürgerinitiative SOS Stadtbaum und der anderen Protestierenden.

Mannheimer Bürgerinitiative protestiert gegen Abriss des Parkhauses in N2

Von  Sylvia Osthues

Protest in N 2 (v.l.) Aktivisten Karl-Heinz Sausbier, Bernhard Welker, Ursel Risch, Wolfgang Fabian und andere.

Protest in N 2 (v.l.) Aktivist:innen Karl-Heinz Sausbier, Bernhard Welker, Ursel Risch, Wolfgang Fabian und andere. © Sylvia Osthues

Mannheim. Eigentlich ist der Bau der neuen Bücherei am Standort des Parkhauses in N 2 beschlossene Sache. Doch die Bürgerinitiative SOS Stadtbaum möchte das Parkhaus erhalten – wegen der begrünten Fassade. Für den an dieser Stelle geplanten Neubau der Stadtbibliothek müsse ein anderer Standort gefunden werden.

Die Aktivist:innen hatten zum Protest gegen die Abrisspolitik der Stadt aufgerufen. Dazu versammelten sich am Dienstagnachmittag zahlreiche Anhänger:innen vor dem Eingang zum Parkhaus, um ihren Protest auf einer Unterschriftenliste zu dokumentieren. Auch die Stadträt:innen Alexander Fleck (CDU) und Christiane Fuchs (ML) schauten vorbei. Gegner:innen des geplanten Abrisses vom Parkhaus brachten an der Fassade Transparente an wie: „Diese wertvolle Fassadenbegrünung am Parkhaus in N 2 muss erhalten bleiben“, „Für das Klima und die Umwelt: Erhalt statt Abriss! Mannheim braucht Grün!“ oder „Rettet diese Fassadenbegrünung! Hier leben Vögel und Insekten!“

Mannheim auf Klimakurs
Um diese begrünte Fassade geht es

Begrünungsordnung ist 33 Jahre alt

Ursel Risch, die Initiatorin der Bürgerinitiative, erklärte: „Die Bürgerinitiative möchte damit darauf aufmerksam machen, dass dieses Gebäude erhalten werden muss, denn das Parkhaus mit seiner vorbildlichen Fassadenbegrünung trägt viel dazu bei, die Luft- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern.“ Die Gegner:innen der städtischen Baupläne kritisieren: Der Gemeinderat der Stadt Mannheim handele entgegen seiner eigenen Begrünungsordnung für die Innenstadt, die am 27. September 1988 beschlossen wurde.

Darin heiße es unter anderem: „Die Schaffung von begrünten Flächen und das Einbringen von Grünelementen in der Innenstadt ist eine unerlässliche Maßnahme, um der Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch das Stadtklima entgegenzuwirken und den urbanen Lebensraum in seinem Erscheinungsbild zu verbessern.“ In der Realität würde diese Begrünungsordnung aber nicht umgesetzt, kritisierte Risch. Sie weist darauf hin, „dass die Zementproduktion die drittgrößte Quelle der von Menschen verursachten CO2-Emmission ist“. Deshalb müssten möglichst viele Gebäude saniert und erhalten werden. „Doch in Mannheim werden immer mehr Gebäude nach wenigen Jahrzehnten abgerissen anstatt saniert“, klagte Risch.

„Jeden Baum erhalten“

Als Beispiele nannte sie den Mitzlaff-Bau der Kunsthalle, das Technische Rathaus und die Columbus-Blocks auf Franklin. Pläne zum Abriss gibt es auch für das Stadthaus in N 1 [Hier setzt sich SOS Stadtbaum für Sanierung statt Abriss ein – Anm. OH].
„Die Innenstadt von Mannheim ist bereits massiv zugebaut und versiegelt, jetzt soll schon wieder gewachsenes Grün dran glauben“, bemängelte Gärtnermeister Bernhard Welker die Abrisspläne für das Parkhaus in N 2. Dabei stelle das gewachsene Grün der Fassade ein wertvolles Biotop dar. Der geplante Abriss des Parkhauses, so die Initiative, stehe stellvertretend für weitere Maßnahmen der Stadt, die dazu beitragen werden, das Stadtklima zu belasten.

„Man muss nur mal in die Feudenheimer Au schauen, wo für die Bundesgartenschau erst fünf Robinien gefällt wurden“, berichtete Gabriele Reisigel. SOS Stadtbaum beobachtet, dass bei den vielen Neubauten kaum die Ziele der Begrünungsordnung umgesetzt werden und immer noch mehr Freiflächen versiegelt werden, wie beispielsweise im Friedrichspark: „Die ganze Welt kämpft gegen die Erderwärmung und in Mannheim passiert das Gegenteil!“

Es müssten jetzt „endlich jeder Baum, jede Grünfläche und die Fassadenbegrünungen in der Innenstadt erhalten“ bleiben. „Die Stadtverwaltung und die Gemeinderäte sollten noch einmal nachdenken und die wertvolle Fassadenbegrünung gemäß ihrer Begrünungsordnung erhalten“, forderte Wolfgang Fabian, der vor Jahren mit einer Bürgerinitiative gegen den Abriss des Mitzlaff-Baus der Kunsthalle gekämpft hatte. „Noch ist es Zeit, einen alternativen Standort für die Stadtbibliothek zu finden“, meinte er.

Der Fall des Hauses Kessler

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

Weil ich es hier noch gar nicht erzählt habe, sei es nun auch im Blog berichtet: Mit der inzwischen allgemein üblichen Verspätung von einem Corona-Jahr findet vom 18.-21. November unser LARP Der Fall des Hauses Kessler im wundervollen Haus Schnede nahe Salzhausen in der Heide, gar nicht fern von Hamburg, statt.

Wir, das ist in diesem Fall eine Orga, die sich den Namen Southern LARP gegeben hat. Aufhänger für die Geschehnisse des Spiels ist die Testamentseröffnung des namensgebenden Herrn von Kessler, und wir haben uns von chthulhoiden Motiven inspirieren lassen und haben den Wünschen unserer Spieler:innen entsprechend ein illustres Charakterensemble geschrieben. Es dürfte nicht Wundern nehmen, dass bei weitem nicht alle von ausschließlich lauteren Motiven und Trauer um den Verschiedenen in die Heide getrieben werden …

Ich sehe mit großer Vorfreude der Rückkehr nach Schnede entgegen, wo Julia und ich zusammen mit anderen Mitstreiter:innen bereits die Chronos-Chroniken angesiedelt hatten.

Horror in der Heide. In den Zwanzigern. What’s not to like?

Lindwurm goes Dreieich

Das neue Logo

Die ersten Großereignisse des Herbstes werfen ihre Schatten voraus, also zückt die Terminkalender.

Am 20. und 21. 11. findet (auch dieses Jahr online) die Dreieich-Con statt. ich selbst werde am 20. 11. um 11 Uhr eine Viertelstunde lang live und in Farbe den Verlag vorstellen und (so vermute ich) Fragen dazu beantworten.

Und die wunderbare E. S. Schmidt wird ein Panel bestreiten, bei dem sie hoffentlich unter anderem aus ihrem dann brandneu erschienenen Zweiteiler Welt der Schwerter liest.
More details to come – stay tuned!

Heute Biedermänner. Morgen Brandstifter?

Hans-Georg Maaßen: Eklat-Video mit ihm aufgetaucht – „Rassismus gegen die  eigene Nation“ - derwesten.de

Niemand hat ernsthaft erwartet, dass Björn „Bernd“ Höcke mit seinem Misstrauensvotum gegen Bodo Ramelow heute im Thüringer Landtag Erfolg hat, nicht mal er selbst, wie er in einer Rede unmittelbar vor der Abstimmung zugibt. Es war vielmehr das, was die afD am besten kann: Politisches Schmierentheater mit ein bisschen Topfschlagen, Ramtamtam und braune Sau durchs Dorf treiben. Rechtsausleger-Kindergeburtstag eben – jede:r macht, was er/sie kann, und wer politisch nur deshalb nicht als Leichtgewicht zu bezeichnen ist, weil das ein Affront gegen allle Leichtgewichte wäre, macht halt Rabatz.

Aber das, was da so kleidsam braun durchs Alternativenblau leuchtet, ist nicht, was mit Sorgen macht – das enttarnt sich trefflich selbst, und der Thüringer Flügel-Stürmer, Faschist Höcke, ist so duchschaubar wie widerwärtig.

Was mich umtreibt, sind diese feigen Socken von der cdU. Unter dem Deckmäntelchen der Abscheu gegen die Linke – eine Partei, die in etwa die Politik macht, vor der uns die Unionschristen schon bei Willy Brandt bewahren wollten und damit aufgrund der Faktizität eigentlich endlich den Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands einklagen sollten – haben sie nicht mit abgestimmt.

Das heißt: Sie haben nicht gegen Björn Höcke als Thüringer Ministerpräsidenten gestimmt.

So, wie sie sich auch nicht von Maaßen distanzieren. (Dafür gibt’s bestimmt auch irgendeine brillante taktische Scheinbegründung).
So, wie sie das Thema Werteunion nicht aufräumen.
So, wie Amthor mit Faschisten fürs Selfie posiert.

Ein Foto mit Sprengkraft. Die beiden jungen Männer links und rechts von Philipp Amthor sollen der rechtsextremen Szene in Mecklenburg-Vorpommern angehören
cdU-Nachwuschshoffnung Philipp Amthor (mi.) beim Reitturnier mit dem Landsmann und Neonazi Thimo Hopfinger (l.)

Was ist da los, ihr Christen? Ist das Feigheit oder Wahlarithmetik? Bloß keine künftigen Koalitionsmöglichkeiten versauen?

Da hilft es auch nicht, dass der Thüringer Unionschrist Mario Vogt im Vorfeld der Abstimmung markige Worte findet – am Ende bleibt das Maulheldentum, folgenlos, ein laues Lüftchen.

„Brandmauern gegen Rechts“ gehen anders.

Keine Entschuldigungen

Süddeutsche Zeitung on Twitter: "Auf Twitter trendete zwischenzeitlich der  Hashtag #Laschetlacht. Der Pianist Igor Levit sprach von "würdelosem  Verhalten". Der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter  Dabrock, kritisierte "Pietätlosigkeit ...
Quelle: Tweet der SZ

Sie sind von der Maus abgerutscht. Der Praktikant hatte Zugang zum Account. Sie waren betrunken. Oder einfach nur komplett empathielose Vollpfosten, wie der Herr oben.

Allen gemein ist: Sie möchten das Gesagte/Getane/Geschriebene einfach mit einer dürren Entschuldigung wegwischen. Das „Sorry, ey, is mir so rausgerutscht“ (oder etwas eloquentere Variationen davon) als großer Ungeschehenmacher. Aber ich meine: So geht das nicht.

Schon das Wort ist tückisch: ent-schuldigen. Im Ent-Sorgungspark werden wir unsere Sorge um den Atommüll los, beim Ent-werten den monetären Gegenwert unserer Fahrscheine und beim Ent-Schlacken irgendwelchen Kram im Körper, der mehr nach Kohleabfallprodukt klingt als nach etwas aus meinem Darm. Wir werden etwas los.

Beim Ent-schuldigen mithin: die Schuld. Voll bequem, nicht wahr? Und so easy! Das mediale „‚tschuldigung“, zumeist in Kombination mit mehr oder minder zerknirschter Miene und in variabel aufrichtigem Tonfall vorgetragen, als moderner Ablassbrief.

Aber nicht mit mir, Freund:innen. Ich bitte darum, dass wir alle hier etwas sensibler werden und den verbalen Unsinn nicht nachbeten. Man kann sich nicht selbst ent-schuldigen. Wer Schuld auf sich lädt, kann, um diese loszuwerden, lediglich eins: die Betroffenen um Verzeihung bitten. Wem das zu prätentiös klingt, der mag meinethalben auch um Ent-schuldigung bitten. Die Verletzten. Die Gekränkten. Die Be- und Getroffenen. Demut statt mannhaft-anmaßenden Selbstausderweltschaffens. Aber bitte immer im Wissen, dass das nicht mit einer Liefergarantie verbunden ist. Der Bitte um Ent-Schuldigung muss nicht entsprochen werden.

Um den Bogen zu Armin Laschet zu schlagen: Das hätte ihm gut angestanden – eine Bitte um Verzeihung an die Opfer der Überschwemmungen für sein dummes Feixen samt Zunge zwischen den Zähnen.

Aber: So wie viele bin ich zwar nicht nachtragend, aber ich vergesse wenig. Meine Verzeihung bekäme der feine Herr L. nicht.

Wann bricht dein Zorn sich Bahn?

Ist möglicherweise ein Bild von 2 Personen und Text

Nein, das ist diesmal ausnahmsweise keine politische Botschaft … oder vielleicht doch. Werwolf: Die Apokalypse war immer schon das (vordergründig) am deutlichsten politische Spiel aus der Welt der Dunkelheit, es hat mich unter anderem auf Sea Sheperd gebracht. In Zeiten der sehr realen Klima-Apokalypse ist es mehr als angebracht, auch im Spiele-Bereich die Stimme der Krieger:innen Gaias wieder lauter erklingen zu lassen.

Nun bringen die Kollegen von Flyos, die bereits mit Vampire: Die Maskerade – Chapters einen neuen Zugang zu den Blutsaugern der Welt der Dunkelheit designt haben, mit Werewolf: The Apocalypse – Retaliation ein Spiel zu den Garou an den Start. Stay tuned for more information!

Märchenhaft

Coverausschnitt der englischen Ausgabe

Heute wollte ich kurz auf ein Rollenspielprojekt hinweisen, das ich gebackt habe. Broken Tales kommt aus Italien. Das Spiel ist quasi der Blick durch einen dunklen Spiegel auf traditionelle Märchen, deren Prämissen es auf den Kopf stellt. Die Spieler gehören dem Orden an, einer geheimen Gruppe, die im Auftrag des Papstes agiert und deren Aufgabe es ist, Ereignisse und Bedrohungen jenseits des menschlichen Verständnisses zu untersuchen. Eine unheimliche Version Europas im 18. Jahrhunderts dient als zum Hintergrund für diese ungewöhnlichen Helden – Schurken aus verschiedenen Märchen, die nun als Protagonisten in der neuen Realität agieren.

Einen kostenlosen Quickstart gibt es hier.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Heute zeige ich euch mal den Zweiteiler, den ich gerade für Lindwurm bearbeite. Ich kann leider nicht behaupten, ihn eingekauft zu haben, aber wäre ich bereits am Ruder gewesen, als die Entscheidung anstand, ich hätte es getan. So habe ich nun die Freude, das Werk zu lektorieren und die Autorin auf den letzten Schritten des Weges zu begleiten.

Worum geht es?

Eine Welt, die den besten Krieger zum König kürt, wird immer eine Welt der Schwerter bleiben

Erst die Ehe mit der Hohepriesterin Lynn garantiert Prinz Siluren dem Zauderer die Königskrone. Sein Halbbruder, Cordian der Kaltblütige, soll die Braut zum Schloss eskortieren. Doch während ihrer Reise fällt die Armee des Nachbarreichs ins Land ein.

Coridan versucht, Lynns Leben zu schützen. Die hingegen bemüht sich herauszufinden, welche Pläne die Erdmutter für sie und ihr Land hat. Sie trägt das Mal der Göttin auf der Stirn, dessen Anblick jeden Mann in Liebe entbrennen lässt, doch darf sie ihr persönliches Glück über das des Reiches stellen?

Siluren wird derweil von seinem Vater in eine abgelegene Burg in Sicherheit gebracht, da Kampf und Krieg nie seine Stärken waren. Er ahnt jedoch, dass er mit einem Sieg endlich den Respekt des Vaters erringen würde. Doch zu welchem Preis?

Ab Herbst könnt ihr es herausfinden …

Die harten Fakten im Überblick:

Autorin: E. S. Schmidt
Titel: Welt der Schwerter I & II
Verlag: Lindwurm
Erscheinung: Oktober bzw. November 2021
Lektorat: Oliver Hoffmann
Format: Softcover , je ca. 320 S., ca. 15 € (auch als eBook erhältlich)

Wer zur Hölle ist eigentlich … Tom Flambard?

Manchmal läuft es seltsam im Verlagsgeschäft. Kennt ihr diese Enthüllungsreportagen, bei denen Kronzeugen im Schattenriss mit einer Baseballkappe auf dem Kopf hinter einem semitransparenten Wandschirm sitzen und über einen Stimmverzerrer sprechen, um nicht erkannt zu werden?

So ähnlich war es, als ich mit Tom Flambard über den Ankauf seiner drei Fantasy-Kriminovellen um das ungleiche Ermittlerduo Grünblatt & Silberbart sprach. Zustandegekommen war das konspirative Treffen durch eine namhafte Agentin – und da saß er nun also, der große Unbekannte, und steckte mich an mit der Begeisterung für sein neues Werk.

Worum es geht, ist eigentlich rasch erzählt. Ein übergewichtiger, korrupter Stadtgardist und ein leichtfüßiger elbischer Langfinger begegnen einander – und es ist Abneigung auf den ersten Blick. Doch eine Explosion auf dem Wazaar, dem ältestem Marktplatz der fantastischen Metropole Brae Flammar (ja, es gibt eine Stadtkarte im Buch!), zwingt sie zur Zusammenarbeit. Am Ende dürfen sich die Leser:innen über drei spannenden High-Fantasy-Novellen aus der Feder eines deutschen Bestsellerautors freuen, der hier inkognito schreibt.

Aber wer ist dieser Tom Flambard, der hier mit solcher Verve, Finesse und Leichtigkeit Holmes & Watson in fantastischen Inkarnationen beschwört? Er selbst und seine Agentin hüllen sich in Schweigen. Doch die Gerüchteküche brodelt. Man munkelt, er habe seinen wahren, allseits bekannten Namen zur Kenntlichkeit verändert. Man munkelt gar, Teile des Namens seien unverändert geblieben.

Man munkelt viel. Ich kann es euch nicht sagen. Die Spurensuche hat begonnen. Aber ich kann versprechen: Lesen lohnt sich!

Die harten Fakten im Überblick:

Autor: Tom Flambard
Titel: Grünblatt & Silberbart
Verlag: Lindwurm
Erscheinung: November 2021
Lektorat: Textmenschen, Julia Becker & Oliver Hoffmann
Format: Hardcover m. Lesebändchen, ca. 240 S., ca. 15 € (auch als eBook erhältlich)