Wenn der dicke Paladin die Welt rettet

Meine StoryPunks-Kollegin Mel wurde gebeten, übernächstes Wochenende beim Hügel-Con in Tübingen einen Workshop zum Thema Rollenbilder im Fantasy-Rollenspiel zu machen. Dadurch ausgelöst habe ich mir dazu und zu angrenzenden Themen ein paar Gedanken gemacht.

Fantasy ist ja ein merkwürdiges Genre. Einerseits behauptet sie, alles sei möglich: fliegende Städte, sprechende Schwerter, Götter, die unter Bergen schlafen, Reiche jenseits des Todes sowie Magie vermittels Blut, Sternenlicht oder Musik. Andererseits sehen viele Fantasywelten erstaunlich ähnlich (oder kritischer formuliert: wenig variantenreich) aus, sobald man genauer hinschaut.

Der alte Magier ist weise. Die junge Frau ist wunderschön. Der Krieger ist muskelbepackt. Die Heil-Priesterin ist sanft. Der König ist wichtig qua Geburt. Jede Behinderung ist ein Fluch, eine Tragödie oder eine magische Prüfung. Alte Menschen kommen nur als Ratgeber oder Hindernisse vor. Dicke Menschen wie ich sind gemütlich, gierig oder lächerlich (oder alles drei). Queere Figuren gibt es entweder nicht, oder sie erklären sich auffällig oft über ihre Queerness. Wer nicht weiß ist, kommt schnell aus „exotischen“ Ländern mit Gewürzen, Seide und geheimnisvollen Blicken.

Natürlich ist nicht jede einzelne dieser Tropen automatisch falsch. Klischees sind nicht deswegen problematisch, weil sie einmal auftauchen (dann wären sie auch kein Klischee). Das Problem liegt in ihrer Häufung. Darin, dass sie sie zur unsichtbaren Prämisse einer Welt werden. Schwierig wird es, wenn Fantasy Drachen erfinden kann, aber keine alte Abenteurerin mit Gehstock, keinen dicken Paladin, keinen nichtbinären Hofmagier, keine schwarze Königin, keinen alleinerziehenden Vater mit Schwert, keine behinderte Diebin, deren Körper keine Heilung bedarf, damit ihre Geschichte zählt.

Die entscheidende Frage ist nicht: „Haben wir genug Vielfalt eingebaut?“. Sie lautet vielmehr: Wer darf in einer Fantasy-Welt wichtig sein?

  • Darf eine Figur Macht haben, ohne jung und schön zu sein?
  • Darf eine Frau grausam, komisch, feige, genial oder mittelmäßig sein, ohne dass das gleich als Aussage über alle Frauen gelesen wird?
  • Darf eine queere Figur einfach Teil der Welt sein, ohne dass ihre Existenz zum exotischen Sonderplot wird?
  • Darf ein behinderter Körper kompetent, anziehend, gefährlich oder alltäglich sein?
  • Darf ein Mensch mit BMI >40 ein Held sein, ohne dass das Narrativ sein Gewicht zuerst erklärt, entschuldigt oder Witze darüber macht?

Gute Repräsentation entsteht nicht durch Checklisten. Sie entsteht durch den Blick auf Agency oder, um den Anglizismus zu vermeiden, Handlungsmacht, Würde und Normalität.

  • Agency/Handlungsmacht bedeutet hier: Figuren dürfen Einfluss auf die Welt nehmen. Sie treffen Entscheidungen. Sie machen Fehler. Sie retten anderen den Arsch. Sie scheitern. Sie haben Wünsche. Sie sind nicht nur Symbol, Opfer, Deko oder Lektion.
  • Würde bedeutet: Eine Figur ist nicht bloß Trägersubstanz für ein bestimmtes narratives Merkmal. Ihre Hautfarbe, ihr Geschlecht, ihr Alter, ihre Behinderung, ihre Herkunft oder ihr BMI dürfen relevant sein, aber sie sind nicht alles. Ein Mensch ist/hat nie nur ein Thema.
  • Normalität bedeutet: Manche Dinge bedürfen keiner Erklärung. In einer Welt, in der Drachen normal sind, muss nicht jede queere Person eine gesellschaftliche Debatte auslösen. In einer Welt voller Magie muss nicht jeder behinderte Körper automatisch ein Problem darstellen. In einer Welt mit fünf Götterpantheons darf es mehr Familienformen geben als Vater, Mutter, Erbsohn, zu verheiratende Tochter.

Gerade Rollenspiel-SL haben hier eine besondere Chance. Sie müssen nicht erst ein ganzes Romanuniversum schreiben. Oft reicht es, Neben-NSC anders zu denken. Die erfahrene Söldnerhauptfrau ist bereits Mitte sechzig. Der prominenteste Barde des Reiches ist kleinwüchsig. Der Baron lebt mit seinem Mann und dessen Kindern aus erster Ehe zusammen. Die anerkannteste Schmiedin der Stadt hat nur einen Arm. Der fette Priester ist nicht gierig, sondern mutig, sehr eitel, klug und vielleicht ein bisschen rachsüchtig. Die Ork-Großmutter ist keine billige Pointe, sondern die Person, die den Respekt aller im Dorf genießt.

Solche Setzungen müssen nicht laut sein. Hauptsache, sie sind da. Das ist oft sogar wirksamer. Denn eine Welt verändert sich nicht nur durch große politische Manifeste, sondern durch die beiläufige Frage, wer selbstverständlich vorkommt.

Das heißt nicht, dass Fantasy „woke“ werden muss (obwohl ich keinerlei Probleme mit diesem Begriff habe) und nur noch Utopien erzählen darf. Ganz im Gegenteil. In spannenden Welten gibt es Diskriminierung, Vorurteile, Machtmissbrauch und Konflikte. Aber es ist ein Unterschied, ob eine Welt Diskriminierung thematisiert – oder ob das Narrativ sie unbewusst perpetuiert. Es ist ein Unterschied, ob ein Charakter unter einer grausamen Ordnung leidet oder ob das Narrativ der betroffenen Figur selbst weniger Würde zugesteht.

Spielrunden kann man an drei einfache Prüf-Fragen messen:

Wer genießt in meiner Welt automatisch Respekt?
Sind es immer dieselben Körper, dieselben Stimmen, dieselben gesellschaftlichen Rollen?

Wer muss sich erklären, ehe er oder sie handeln darf?
Welche Charaktere müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie mächtig, schön, klug oder wichtig sind?

Wer darf einfach sein?
Welche Menschen sind ein selbstverständlicher Teil der Welt, ohne dass ihre Andersartigkeit ein Problem, ein Geheimnis oder einen Abenteueraufhänger darstellt?

Vielfalt engt Fantasy nicht ein. Sie bereichert sie. Sie nimmt niemandem den edlen Ritter, den Drachen, den alten Zauberer oder die schöne Prinzessin weg. Aber sie ergänzt sie durch andere Figuren, und plötzlich gibt es mehr Geschichten. Mehr Kontroversen. Mehr Gesichtspunkte. Mehr Möglichkeiten, sich oder andere in einer Welt wiederzufinden, die doch angeblich grenzenlos ist.

Vielleicht ist das der eigentliche Zauber guter Fantasy: nicht Ursula K. LeGuins Eskapismus-Gedanke, also dass sie uns von der Wirklichkeit wegführt, sondern dass sie uns zeigt, wie viel größer Wirklichkeit sein könnte.

Nicht jede Heldin muss jung und schön sein.

Nicht jeder Krieger muss hart wie Kruppstahl sein.

Nicht jeder Körper muss heil sein.

Nicht jede Liebe bedarf einer Erklärung.

Nicht jede Macht muss in denselben Händen liegen wie früher.

Die wichtigste Frage beim Weltenbau lautet deshalb vielleicht nicht: „Was ist hier magisch?“, sondern: Wer darf hier eine Geschichte haben?

Kollaps ohne Konsequenz

Theresa Hannigs Roman Parts per Million

Ein Roman über die Radikalisierung einer Journalistin zur gewalttätigen Umweltaktivistin in einer nahen Zukunft, in der die Klimakatastrophe längst keine Nachricht mehr, aber dafür die afd an der Regierung ist: Das klingt nach einem dringlichen Stoff. Theresa Hannigs Roman Parts per Million, ausgezeichnet mit dem Seraph 2025 für das „beste phantastische Buch“, will viel – und liefert dabei erstaunlich wenig.

Denn wo ein Werk über Klima-Aktivismus, Polizeigewalt und Rebellion die scharfe Kante der politischen Fiktion hätte zeigen können, bleibt Hannigs Roman seltsam vage. Statt Systemkritik bietet er Selbstbespiegelung, statt narrativer Tiefe eine autofiktionale Geste, die sich mit Andeutungen begnügt. Das Buch wirkt, als sei es nicht für Leser:innen geschrieben, sondern fürs Feuilleton – oder zumindest für eine Jury, die literarische Relevanz über narrative Konsequenz stellt.

Dabei wäre das Sujet, eine Art postfossile RAF unter digitalem politischem und medialem Dauerfeuer, durchaus spannend. Doch Hannig schrammt arg an der Oberfläche entlang. Die Protagonistin, theoretisch zerrissen zwischen Familie und Revolution, bleibt seltsam unkonkret, ihre Motivation eher Behauptung denn Entwicklung, und während die Welt um sie herum sozial, ökologisch, ideologisch brennt, bleibt der Text kühl. Ein politisches Buch, das sich um manifeste politische Haltung drückt, ist wie ein Thriller ohne Spannung: wohlmeinend, aber blass.

Besonders auffällig ist dabei die Überfrachtung mit biografischem Ballast: Hannigs Heldin trägt eine patriarchalisch beschädigte Familiengeschichte mit sich herum, die weniger vertieft als durchdekliniert wirkt – als müsse die Figur eine seelische Fußnote bekommen. Dass all das auch noch in einem erzählerisch sehr konventionellen Ton daherkommt, macht die Lektüre zäh. Man fragt sich unweigerlich, wo hier das Lektorat geblieben ist – oder ob jemand sich schlicht nicht traute, dem Tagebuchprosa-Wildwuchs der vielfach ausgezeichneten Autorin Grenzen zu setzen.

Denn genau das ist das größere Problem dieses Romans: nicht, dass er schlecht wäre – sondern dass man ihn als den besten seiner Gattung prämiert hat. Wenn ein Werk wie Parts per Million, das nicht einmal Phantastik ist, einen Preis für das „beste phantastische Buch“ gewinnt, wirft das Fragen auf. Nicht nur über die Entscheidung der Jury, sondern über die Definition des Genres. Wird hier weniger Phantastik prämiert als vielmehr Feuilletonkompatibilität?

Noch belastender ist der Eindruck eines Preis-Kaskadeneffekts: Hannigs Renommee als progressive Autorin mit relevanten Themen scheint ihr ein Standing zu sichern, das kritische Auseinandersetzung verhindert. Man fragt sich unwillkürlich: Wie schwach waren die anderen Einsendungen, wenn ein literarisch so uneingelöstes Werk den Seraph gewinnt?

Parts per Million ist beileibe kein schlechtes Buch. Es ist ein ambitionierter, aber letztlich nicht gelungener Versuch, Gegenwartskritik in Literatur zu gießen. Ein Text, der viel anreißt, aber wenig durchdringt – und es ist meiner Ansicht nach der falsche Preisträger, weil seine Schwächen – Erzählstruktur, Figurenzeichnung, Tiefe – seine Stärken – Thema, Zeitgeist, Anspruch – überwiegen und er zudem im falschen Genre prämiert wurde.

Ein Debattenbeitrag? Möglicherweise.
Ein Roman, der die Debatten weiter bringt? Leider nicht.

Kommentar zum Verlagsupdate 6/22 von Prometheus Games

Die Firma Prometheus Games – ich vermute, damit ist mittlerweile die gleichnamige GmbH gemeint – hat gestern eines ihrer Verlagsupdates veröffentlicht.

Ich möchte mir nicht die Mühe machen, diesen Text in seiner Gänze zu werten oder zu kommentieren. Ich möchte lediglich Stellung zu zwei Sätzen nehmen, die die von mir 1989 mit ins Leben gerufene Firma Feder&Schwert betreffen. Christian Loewenthal schreibt an einer Stelle seines Updates:

„Der erste richtige Dämpfer kam dann mit der Nichterfüllung des Vertrages seitens der Feder&Schwert GmbH im Rahmen des Dresden-Files-Kickstarters. Ein guter Teil des Geldes war letztendlich ohne Gegenleistung an Feder&Schwert gewandert und die durch die Verzögerungen aufgeworfenen Probleme haben sich immer weiter aufgetürmt und uns in Summe extrem viel Geld gekostet. Ohne die sich selbst ausbeutende Leistung einiger weniger Personen, wären die PDFs der Bücher nie fertiggestellt worden und wir hätten keine Chance gehabt die Verträge noch zu erfüllen.

Verlagsupdate 6/22, PG

An diesen drei Sätzen ist kein Wort wahr. Ich lege Wert auf folgende Feststellungen:

1. Auslöser der Differenzen zwischen Prometheus und Feder & Schwert war, dass mir zu Ohren gekommen war, dass Prometheus schon sehr lange Außenstände bei gemeinsamen Freunden für eine Dienstleistung hatte. Auf Nachfragen hatten die Betroffenen wachsweiche Ausreden erhalten. Ich habe daraufhin Zweifel an der Seriosität unseres Partners bekommen und drei Dinge getan:

  • Prometheus gebeten, die Betroffenen umgehend zu bezahlen
  • Darum gebeten, anders als ursprünglich vereinbart einen Vorschuss für die Unterstützung des Crowdfundings seitens Feder&Schwert zu erhalten
  • Darum gebeten, einen Finanzierungsplan für die Durchführung des Crowdfunding-Projektes nach dem Ende der Backing-Phase zu sehen

2. Daraufhin hat Prometheus Games Feder & Schwert die Zusammenarbeit schriftlich aufgekündigt. Von einer Nichterfüllung kann also keine Rede sein, weil der Abgabetermin für Übersetzung und Layout zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne lag.

3. Das an Feder&Schwert geflossene Geld – ein Bruchteil der vereinbarten Summe – entbehrte keineswegs einer Gegenleistung, sondern war das Honorar für die bis zur Aufkündigung der Zusammenarbeit durch Prometheus geleisteten Design-, Übersetzungs- und Layoutarbeiten, die Feder&Schwert Prometheus Games natürlich auch überlassen hat.

Nach dieser kurzen Analyse mag jede/r den Warheitsgehalt des restlichen Statements für sich beurteilen. Das Thema Dresden Files bei Prometheus dürfte sich jedenfalls erledigt haben, denn die Lizenz ist erloschen, sodass eine „Chance, (…) die Verträge noch zu erfüllen“ nicht bestehen dürfte.

Lindwurm im Netz

Es ist vollbracht! Die erste Fassung des Belletristik-Webshops von Bedey & Thoms Media ist online. Ihr findet sie unter www.bedey-thoms.de

Der Shop ist noch nicht fertig, wir haben aber entschieden, jeweils das, was da ist, trotzdem online zu stellen. „Mein“ Imprint Lindwurm ist wie einige andere leider noch Work in Progress und hat erst einmal nur eine Landingpage. Hieran arbeiten wir aber mit Hochdruck, ab Ende Februar steht euren Einkäufen nichts mehr im Weg. 

Fantastischer BuCon

Home

An Samstag, 23. 10., findet auch in diesem Jahr – wie an jedem Frankfurter-Buchmesse-Samstag – die BuCon statt. Coronabedingt beschränkt sie sich dieses jahr auf eine Online-Veranstaltung.

Den Gesamtüberblick über das überaus reizvolle Programm findet ihr unter der URL im obigen Logo. Hier kurz zusammengefasst das, was Lindwurm und unser SF-Schwesterimprint Plan 9 so anbieten:

UhrzeitAutor:inTitel der LesungModeration
12 UhrPetra JörnsIm Licht der Horen 2 – AnatoleSandra Thoms, Inhaberin, Bedey&Thoms Media
13 UhrChristian MetzgerSelbst Feen können sterbenOliver Hoffmann, Programmleitung Lindwurm
14 UhrKia KahawaEndstationSandra Thoms, Inhaberin, Bedey&Thoms Media
15 UhrNadine Muriel und Rainer WüstDas geheime SanatoriumOliver Hoffmann, Programmleitung Lindwurm
16 UhrLucian CaligoDie EisenritterSandra Thoms, Inhaberin, Bedey&Thoms Media
17 UhrHelena WagenschutzDie WahrhaftigenOliver Hoffmann, Programmleitung Lindwurm

Außerdem rede ich am Samstagabend von 19:30 bis 20:00 Uhr im Rahmen der virtuellen BuCon auf Twitch eine halbe Stunde mit meiner Chefin und Kollegin:

Fantasy oder Science-Fiction: Wo verlaufen die Grenzen?
Ist das Fantasy oder Science-Fiction – nicht immer ist die Frage so einfach zu beantworten, wie es scheint. Wo sind die Grenzen und wo verschwimmen sie? Dazu unterhalten sich Sandra Thoms und Oliver Hoffmann, die Programmleitungen von Plan9 und Lindwurm. Plan9 und Lindwurm sind die beiden Phantastik-Imprints der Bedey & Thoms Media. Vielfalt durch Gemeinschaft – das ist das Motto, und deshalb vereinen wir unter unserem Dach Verlage aus sämtlichen belletristischen Genres. Als Teil der Verlags-WG deckt Plan9 das Genre Science-Fiction ab, während Lindwurm sich der Fantasy widmet.
Die Geschichten von Plan9 durchbrechen gängige Vorstellungen von Gesellschaft und zeigen, was sein könnte, wie Technik und vor allem künstliche Intelligenz den Alltag verändern, und das immer mit einem besonderen Blick auf die Rolle der Frau, denn die Zukunft ist weiblich. Natürlich bleibt die Zukunft ein Abenteuer, so wie unsere Bücher.
Aus der Leidenschaft für alles Fantastische heraus entstanden bietet Lindwurm vor allem High und Urban Fantasy ein Zuhause. Neben neuen Welten und der bekannten, in der es mindestens ebenso viel neu zu entdecken gibt, finden wir den Zauber auch in Galaxien und überall dort, wo er vielleicht nicht zu vermuten war.
Mehr unter:
https://www.plan9-verlag.de/
https://www.lindwurm-verlag.de/
https://www.bedey-media.de/

Wir freuen uns, euch virtuell begrüßen zu dürfen!

Lindwurm goes Dreieich

Das neue Logo

Die ersten Großereignisse des Herbstes werfen ihre Schatten voraus, also zückt die Terminkalender.

Am 20. und 21. 11. findet (auch dieses Jahr online) die Dreieich-Con statt. ich selbst werde am 20. 11. um 11 Uhr eine Viertelstunde lang live und in Farbe den Verlag vorstellen und (so vermute ich) Fragen dazu beantworten.

Und die wunderbare E. S. Schmidt wird ein Panel bestreiten, bei dem sie hoffentlich unter anderem aus ihrem dann brandneu erschienenen Zweiteiler Welt der Schwerter liest.
More details to come – stay tuned!

Wann ist ein Mann ein Mann?

Heute zeige ich euch mal den Zweiteiler, den ich gerade für Lindwurm bearbeite. Ich kann leider nicht behaupten, ihn eingekauft zu haben, aber wäre ich bereits am Ruder gewesen, als die Entscheidung anstand, ich hätte es getan. So habe ich nun die Freude, das Werk zu lektorieren und die Autorin auf den letzten Schritten des Weges zu begleiten.

Worum geht es?

Eine Welt, die den besten Krieger zum König kürt, wird immer eine Welt der Schwerter bleiben

Erst die Ehe mit der Hohepriesterin Lynn garantiert Prinz Siluren dem Zauderer die Königskrone. Sein Halbbruder, Cordian der Kaltblütige, soll die Braut zum Schloss eskortieren. Doch während ihrer Reise fällt die Armee des Nachbarreichs ins Land ein.

Coridan versucht, Lynns Leben zu schützen. Die hingegen bemüht sich herauszufinden, welche Pläne die Erdmutter für sie und ihr Land hat. Sie trägt das Mal der Göttin auf der Stirn, dessen Anblick jeden Mann in Liebe entbrennen lässt, doch darf sie ihr persönliches Glück über das des Reiches stellen?

Siluren wird derweil von seinem Vater in eine abgelegene Burg in Sicherheit gebracht, da Kampf und Krieg nie seine Stärken waren. Er ahnt jedoch, dass er mit einem Sieg endlich den Respekt des Vaters erringen würde. Doch zu welchem Preis?

Ab Herbst könnt ihr es herausfinden …

Die harten Fakten im Überblick:

Autorin: E. S. Schmidt
Titel: Welt der Schwerter I & II
Verlag: Lindwurm
Erscheinung: Oktober bzw. November 2021
Lektorat: Oliver Hoffmann
Format: Softcover , je ca. 320 S., ca. 15 € (auch als eBook erhältlich)

Wer zur Hölle ist eigentlich … Tom Flambard?

Manchmal läuft es seltsam im Verlagsgeschäft. Kennt ihr diese Enthüllungsreportagen, bei denen Kronzeugen im Schattenriss mit einer Baseballkappe auf dem Kopf hinter einem semitransparenten Wandschirm sitzen und über einen Stimmverzerrer sprechen, um nicht erkannt zu werden?

So ähnlich war es, als ich mit Tom Flambard über den Ankauf seiner drei Fantasy-Kriminovellen um das ungleiche Ermittlerduo Grünblatt & Silberbart sprach. Zustandegekommen war das konspirative Treffen durch eine namhafte Agentin – und da saß er nun also, der große Unbekannte, und steckte mich an mit der Begeisterung für sein neues Werk.

Worum es geht, ist eigentlich rasch erzählt. Ein übergewichtiger, korrupter Stadtgardist und ein leichtfüßiger elbischer Langfinger begegnen einander – und es ist Abneigung auf den ersten Blick. Doch eine Explosion auf dem Wazaar, dem ältestem Marktplatz der fantastischen Metropole Brae Flammar (ja, es gibt eine Stadtkarte im Buch!), zwingt sie zur Zusammenarbeit. Am Ende dürfen sich die Leser:innen über drei spannenden High-Fantasy-Novellen aus der Feder eines deutschen Bestsellerautors freuen, der hier inkognito schreibt.

Aber wer ist dieser Tom Flambard, der hier mit solcher Verve, Finesse und Leichtigkeit Holmes & Watson in fantastischen Inkarnationen beschwört? Er selbst und seine Agentin hüllen sich in Schweigen. Doch die Gerüchteküche brodelt. Man munkelt, er habe seinen wahren, allseits bekannten Namen zur Kenntlichkeit verändert. Man munkelt gar, Teile des Namens seien unverändert geblieben.

Man munkelt viel. Ich kann es euch nicht sagen. Die Spurensuche hat begonnen. Aber ich kann versprechen: Lesen lohnt sich!

Die harten Fakten im Überblick:

Autor: Tom Flambard
Titel: Grünblatt & Silberbart
Verlag: Lindwurm
Erscheinung: November 2021
Lektorat: Textmenschen, Julia Becker & Oliver Hoffmann
Format: Hardcover m. Lesebändchen, ca. 240 S., ca. 15 € (auch als eBook erhältlich)

Der Lindwurm erhebt sich

… so steht es auf der Homepage des Fantasy-Imprints der Verlagsgruppe Bedey & Thoms Media. Wie schon auf Facebook kurz berichtet, werde ich – und das ist kein Aprilscherz – ab 1. 4. dort die Programmleitung übernehmen.
Zwar fühle ich mich schon ein wenig alt, seit Geschäftsführerin Sandra Thoms mich in ihrer Presseerklärung zu dieser Personalie als „Urgestein in Sachen Phantastik“ bezeichnet hat, aber tatsächlich war ich sofort angefixt, als sich dieses neue Aufgabenfeld aufgetan hat. Und obgleich uralt, verpasse ich meinem neuesten Baby erst einmal einen Facelift: Das „Verlag“ verschwindet aus dem Namen, und es wird künftig nur noch Lindwurm heißen – dass es sich nicht um eine Autowerkstatt handelt, versteht sich, denke ich, von selbst.
Ich hoffe sehr, dank meiner langjährigen Branchenerfahrung den Lindwurm zur neuen Heimat unkonventioneller Phantastik in Deutschland machen zu können. Als kleiner(er) Verlag haben wir zweifelsohne die Möglichkeit, mutiger zu sein als Publikumsverlage, bei denen „das Fantasyzeug“ vermutlich bis in alle Ewigkeit das ungeliebte, wenn auch umsatzträchtige Stiefkind bleiben wird.
Erst mal verwalte ich noch eine Weile das Erbe meiner Vorgängerin Laura Künstler; „mein“ erstes Novitätenprogramm ist Frühjahr 2022. Meinen ersten Einkauf habe ich schon getätigt: Die Wahrhaftigen aus der Feder von Helena Wagenschütz, und einen wunderbaren Zweiteiler lektoriere ich auch gerade. Aber damit ist der Hunger des Lindwurms natürlich nicht einmal annähernd gestillt – also, ihr Urban-Fantasy-Afficionados, ihr Schwertschwinger, ihr Geschichtenweber und Garnspinner: Wir lesen uns!

Ju Honisch ist zurück

Bild Copyright Arne Homborg

Ich kenne Ju gefühlt schon seit Ewigkeiten. Bei Feder & Schwert habe ich zahlreiche ihrer immer unterhaltsamen und immer schwer-gewichtigen Bücher betreut: Das Obsidianherz, das zweibändige Mammutwerk Salzträume, Jenseits des Karussells und schließlich Schwingen aus Stein, mit dem sie den Seraph gewonnen hat.
Nach einem kurzen Umweg über zwei große Publikumsverlage, wo ihre Publikationen teils nicht die erforderliche Aufmerksamkeit des Verlages, teils nicht die gewünschte Publikumsresonanz gefunden haben, meldet sich Ju nun mit einem neuen Projekt unter dem Arbeitstitel Weltendiebe zurück, für das sie sich für den Weg des Selfpublishings entschieden hat.

Im Mittelpunkt der im besten Sinne fantastischen Geschichte stehen die 23-jährige Anne und ihre hochbegabte 16-jährige Schwester Ev, die seit dem Tod ihrer Eltern mit ihrer Großmutter zusammenleben. Als Annes Chef sowie ihre ungeliebte Kollegin plötzlich verschwinden, übernimmt ein seltsamer Fremder die Firmenleitung. Dass dieser aus einer anderen Dimension stammt, ahnt Anne zunächst nicht. Im Hier und Jetzt will er Wissen stehlen, das in seiner Dimension verlorengegangen ist.

Doch ein weiterer Weltenspringer folgt diesem ersten: Kerder, der Vollstrecker. Seine Aufgabe ist es, die Integrität der Sphären zu bewahren, koste es, was es wolle – und seien es die Leben der Menschen in dieser unserer Welt …

Mehr sei noch nicht verraten, nur so viel: Ju hat mich mit dem Lektorat dieses fulminanten neuen Werkes betraut, und das Projekt macht mir einen Riesenspaß. Das Buch wird spätestens zur (Online)-Buchmesse Saar (18.-20. Juni ) fertig sein. Seid gepannt!